Meroe

Um das 3. Jahrhundert v.Ch. wurden die königlichen Nekropolen von Napata nach Meroe verlegt. Das markierte den Wechsel von einer schweren Abhängigkeit von ägyptischen Bräuchen hin zur Entwicklung einer eigenen einheimischen Kultur, eine neue Ära für das kuschitische Reich. Der erste König Arkamani distanzierte sich von der Tradition, priesterlichen Anweisungen zu folgen, und machte Meroe zur neuen Hauptstadt. Während des neuen kuschitischen Reiches wurden ägyptische Hieroglyphen durch eine neue meroitische Schrift ersetzt, die Hieroglyphen und kursive Buchstaben verwendet. Meroe unterhielt verschiedene Handelskontakte – mit den Ägyptern, den Griechen, den Römern – und der kulturelle Austausch hatte einen deutlichen Einfluss auf die meroitische Architektur.
Die Königliche Nekropole von Meroe liegt auf einer von goldenen Sanddünen gesäumten Erhebung etwa 3 km vom Nil entfernt, 230 km nördlich von Khartum. Mehr als 40 Pyramiden stechen mit ihrer spitzen Form gegen den klaren Himmel hervor, die meisten davon perfekt erhalten. Nubische Pyramiden haben keine Grabkammer im Inneren, das eigentliche Grab befindet sich unter der Pyramide und ist durch einen Tunnel mit der äußeren Welt verbunden. Jede Pyramide hat eine eigene mit Basreliefs ausgeschmückte Totenkapelle, die das Leben des Königs und Opfergaben an die Götter darstellen.
Die Ruinen der Königstadt Meroe befinden sich nah zum Nilufer. Die Ausgrabungen bestätigen, dass die Stadt eine große Fläche einnahm. Die Königstadt befand sich in der Mitte und war von einer Vorstadt mit Stadtmauern umgeben. Interessant sind die Ruinen des Königlichen Bades, das mit Nilwasser aufgefüllt wurde. Der Großteil des Stadtareals muss noch von den Archäologen ausgegraben werden. Was bisher ausgehoben wurde lässt erahnen, dass Meroe eine große Stadt war, mit allen Elementen eines urbanen Lebensstils. Die archäologischen Zeugnisse des meroitischen Reiches sind unter den wichtigsten im ganzen afrikanischen Kontinent.

Die archäologischen Stätten des Meroitischen Reiches sind seit 2011 als Weltkulturerbe der UNESCO aufgelistet.